Have you been war driving yet?

Der letzte Trend scheint es nun auch in Deutschland zu sein, War-Driving zu praktizieren. Das hat mit Krieg nur etwas im Ansatz zu tun, denn War-Driving beschreibt das Aufspüren von drahtlosen Computer-Netzwerkzugängen (WLAN -Access-Points bzw. AP genannt) aus dem Auto heraus. Eigentlich benötigt man nur ein Notebook mit WLAN-Karte, eine Sniffer-Software wie Netstumbler und natürlich ein Auto. Und auf geht’s.

Sobald ein Access Point gefunden wurde, wird flugs der Wagen in der Nähe geparkt und das Websurfen kann kostenfrei und dazu völlig anonym beginnen. Mittlerweile gibt es schon Listen, die die genaue Position des freien Access Points kennzeichnen. Findige War-Driver kombinieren dazu ihren Sniffer mit einer GPS-Lösung (ahnlich dem Navigationssystem im Auto), die die Koordinaten der gefundenen AP ebenfalls gleich abspeichert. Im Zweifel benötigt man hierzu gerade mal einen jackentaschengroßen Pocket PC.

Für den Access Point Besitzer kann man nur hoffen, dass er einen Flatrate-Vertrag hat. Sonst wird es unter Umständen am Monatsende überraschend teuer (sehen wir an dieser Stelle ceteris paribus mal von illegalen Aktivitäten während der Sitzung des Eindringlings ab).

Doch selber schuld an dieser Stelle. Denn alle AP-Systeme bieten eigentlich Schutzmechanismen, die ein so einfaches Eindringen in das System verhindern. Doch dieses sind bei Werksauslieferung oft ausgeschaltet, um ein einfaches und marketinggerechtes Plug-and-Play zu ermöglichen. Und frei nach dem Motto ‘never touch a running system’ erfolgt oft beim neuen Besitzer nach dem ‘plug’ einzig noch das ‘play’. Und somit werden dann selbst von einfachen Verschlüsselungsmechanismen wie zum Beispiel WEP vorsichtshalber mal die Finger gelassen.

Laut einer nicht-repräsentativen Untersuchung werden erstaunliche 2/3 der Access Points in Deutschland ohne Schutz als offenes Relay betrieben. Zumindest ist dies ein Zeichen der fortgeschrittenen Durchdringung in der Gesellschaft von drahtlosen Netzwerkanwendungen, denn technisch versierte Anwender würden sicherlich einen stärkeren Gedanken der Sicherheitaspekte zuteil werden lassen, als dies die nur konsumierende Aldi-Kunden- und Computer-Bild-Leser-Fraktion jemals im Ansatz auch nur könnte oder wollte.

Der War-Driver dankt es.

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weltspion 13. Juni 2004 Computer, Gesellschaft, Internet | Keine Kommentare Trackback URI Kommentare RSS

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