Tag 4: Reise von Bangkok nach Shanghai
Ich bin wieder spät eingeschlafen, doch heute muss ich wegen des Weiterfluges früh raus. Ich stehe etwas gerädert unter der Dusche, als das Telefon klingelt.
Es ist die Concierge. Mein Flug verspätet sich um zwei Stunden. Hätte ich mich doch noch mal umgedreht.
Zumindest ist das perfekter Service, denn ich hatte nirgendwo angegeben, mit welchem Flug ich Bangkok verlasse. Entweder können die Hellsehen oder Thai Airways (mit denen ich weiterfliege) ist in Verbindung mit First-Class-Hotels sehr gut organisiert. Ich schätze mal letzteres.
Was soll ich machen, also lasse ich mir Zeit und setze mich noch eine Stunde lang in die Lufthansa-Lounge. Die ist so ziemlich die schrottigste, die ich bisher zu Augen bekommen habe. Aber zumindest gibt es einen für Lufthansa-Kunden kostenlosen Hotspot und ich kann ein paar Emails schreiben und im Web surfen.
Statt mit der vorgesehenen Boeing 747 fliegen wir mit einem Airbus A330. An Bord ist alles prima. Der Flug dauert drei oder vier Stunden. Dauernd diese Zeitumstellungen, was soll mein Körper denken. In China ist man Deutschland um sechs Stunden voraus.
Shanghai - Einwanderungsformular
Nachdem ich die Einwanderungsstände passiert habe, ist es schon halb acht und entsprechend dunkel draußen. Man sagt mir, dass der Transrapid (oder hier Maglev genannt) nur bis 17 Uhr fährt. Das sind ja lustige Verhältnisse hier.
Ok, Bus oder Taxi. Vorher Geld aus dem ATM (Geldautomat, Automatic Teller Machine) ziehen. Nur leider will Automat #1 meine Deutsche Bank Maestro Karte nicht (Maestro ist die frühere Eurocheque-Karte). Automat #2 sieht das ähnlich. Kasten #3 ist außer Betrieb. Ok, kein Cash auf Täsch ist das blödeste, was einem passieren kann. Leider habe ich im Trubel vor der Abreise vergessen, mir genügend Euros in die Taschen zu stecken. Ich habe nur 40€ an Bord. Ich tausche 30€ in 299 Juan am Wechselstand um, um in die Stadt zu kommen.
Die Schilderung mit dem Bus schien mir zu kompliziert, also nehme ich das Taxi für angeblich circa 150 Juan. Das sind also circa 15€.
Der Fahrer spricht kein Englisch. Er kann auch keine lateinischen Buchstaben lesen. Wie sich später herausstellt, kann das hier kein einziger Taxifahrer. Zum Glück habe ich von meinem Hotel einen Ausdruck mit. Das Bild mit dem Hotellogo enthält auch den chinesischen Namen, so dass er ungefähr Bescheid weiß.
Shanghai - Volkswagen am Flughafen
Das Taxameter klackert tatsächlich sehr langsam vor sich hin. Es fängt zwar mit zehn an, dann tut sich aber nicht mehr viel. Fakt jedenfalls ist, dass mein Hotel in einer Fußgängerzone liegt und der Fahrer nicht so genau weiß, auf welcher Höhe. Nach drei Zwischenstopps, wo andere Taxifahrer und Hotelportiers befragt wurden und der Zuhilfenahme meiner Karten im Lonely Planet, setzt er mich vor einem düsteren Haus aus (ich hab das Hotel schließlich nach Karte gebucht und wusste entsprechend, wo es auf der Karte ist – er hatte unglaublicherweise nur eine zerrissene und völlig unbrauchbare Karte im Handschuhfach). Nach einigem interaktiven hin und her, wurde mir klar, dass dies die Rückseite des Blocks ist, wo sich das Hotel befindet. Ich konnte ja nichts von der Fußgängerzone ahnen.
Gekostet hat die 40km Strecke genau 150 Juan. Trinkgelder sind in Shanghai nicht üblich.
Ich bin froh, im Hotel zu sein und etwas geschafft. Das Zimmer ist in Ordnung und – wie sich später herausstellen sollte – sehr zentral gelegen.
Vorher will ich aber noch mal nach einem ATM gucken, damit ich ruhiger schlafen kann. Ich finde einen mit einem fetten Maestro-Schild in einer ziemlich modern anmutenden Bankhalle. Namentlich China Agriculture Bank oder so. Nur meine Karte, die will der Apparat dieser Bauernbank auch hier nicht.
Shanghai - Wegweiser
Innerlich finde ich mich damit ab, dass ich für eine Woche lang oder sogar den Rest des Urlaubs meine Amex-Karte für teures Geld bar belasten muss. In Thailand habe ich wirklich bei dem allerletzten Öddelautomaten Geld abheben können, wieso also hier in dieser Luxusbank nicht? Wahrscheinlich liegt es an den fehlenden Sextouristen, die immer viel Patte brauchen.
Als ich aus der Bank herauskomme, werde ich von zwei jungen Mädchen angesprochen, ob ich sie letztendlich nicht zu einem Kaffee einladen möchte. Der ist in Shanghai relativ teuer (2,50€). Die beiden konnten ja nicht ahnen, dass meine Taschen gleich leer wie die ihren sind.
Soviel zu meiner Sextouristen-Logik. Das konnte es also nicht sein.
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