Tag 1: Auf geht’s nach New York
Das war knapp. Als letzter Fluggast taumel ich in den Flieger nach Frankfurt hinein, das komplette Gepäck bereits zum Gate mitschleppen müssend. Auf geht es in das nebelige Frankfurt und von dort aus weiter nach New York City. Der Flughafen in Frankfurt hängt in einer tiefen, düsteren Nebelwand. Es hat fast etwas von Endzeitstimmung
Das Sicherheitsprozedere geht überraschend flott. Ich habe also noch Zeit für einen Kaffee in der Lounge.
Die erste Enttäuschung macht sich dann in unserem Airbus A330-300 breit. Irgendwo hatte ich im Internet gelesen, dass der Flug LH 400 neuerdings über Skynet verfügen sollte, einem WLAN für Internetzugriff an Bord. Dem war leider nicht so. Großmundig hatte ich am Vortag noch verkündet, ein paar Mails aus luftiger Höhe versenden zu wollen. Daraus wurde dann somit nichts. Also muss mein iPod heute Schwerstarbeit leisten. Zum Glück ist dessen Akkuanzeige noch mieser, als die Akkukapazität selbst. Seit einer Stunde zeigt die Ladeanzeige den tiefsten Stand an, aber es kommt noch immer Musik heraus. Wollen wir mal hoffen, dass er noch ein wenig durchhält..
Und wollen wir mal nicht meckern: Für die Economy-Klasse ist unheimlich viel Beinfreiheit in unserem Vogel vorhanden, die Bestuhlung macht zudem einen modernen und durchdachten Eindruck. Also Lehne nach hinten und Volume nach oben.
Die Akkus sollten bis Kanada reichen und Dank des Nebels in Frankfurt haben wir am Ende eine halbe Stunde Verspätung nach der Landung in JFK New York. Und nun Wunder der Geschicklichkeit, habe ich es doch glatt durch raffiniertes Anstehen und einer Portion Glück es geschafft, als einer der ersten Fluggäste die Einwanderung erfolgreich zu absolvieren. Der Beamte war übrigens unglaublich unfreundlich, als erhoffte er sich dadurch Autorität auszustrahlen. Zum Glück fiel mir das englische Wort für Lackaffe nicht ein, sonst hätte ich wohl gleich wieder zurückfliegen dürfen. Hätte ich gewusst, dass ich nun gleich über eine Stunde am Laufband stehen würde, um meinen Koffer in Empfang zu nehmen, wäre ich vielleicht sogar zuvor freiwillig zurückgeflogen. Zustände wie vor dreißig Jahren in Russland. Das ist nur schwer begreiflich.
Eine weitere Stunde brauchte ich um herauszufinden, wie man günstig vom Flughafen in die Stadt kommt. Nämlich mit einem Minitaxi namens Manhattan Shuttle, auf das ich dann wiederum zwanzig Minuten warten durfte. Dann ging es für tatsächlich günstige US$ 17 Richtung Manhattan. Bis zur 13. Straße Ost brauchten wir dank unglaublichen Verkehrsaufkommens dann nochmals eineinhalb Stunden. Die armen Schweine in dem Taxi, die noch bis zur Penn-Station fahren mussten. Zum Glück war ich als einer der ersten raus und dann um fünf in meinem Hotelzimmer. Vier Stunden von der Landung bis hierher, nicht schlecht. Ich finde mittlerweile, dass Europa im Vergleich zu hier tiptop organisiert ist und dass so schlechte Straßen wie hier nur bestenfalls noch in Südost-Polen anzufinden sind. Das ganze hier scheint von der Liberalität der Systeme zu leben, denn en detail kriegen die hier von alleine nicht viel auf die Reihe.
Das Zimmer ist ganz ok, und obgleich ich schon ein wenig Müde bin (die Uhr hängt hier sechs Stunden zurück), muss ich mich doch noch mal unter die Menschen in den Straßen mischen. Es ist einigermaßen kalt hier, minus vier Grad Celsius. Gefühlt ist es deutlich kälter, die Leute sind hier hübsch eingemummelt. Im Prinzip alles wie in Hamburg, vielleicht etwas wuseliger und die szenigen Leute sind etwas eleganter gekleidet. Sehr schick. New York City ist absolut anders als der Rest der Staaten.
Da der Dollarkurs sensationell günstig steht, gehe ich zu B&H, einem Kameraladen an der 9. Avenue, Ecke 34. Straße. Man kann davon ausgehen, dass die Preise absolut eins zu eins sind, jedoch der Euro tatsächlich 30% stärker ist als der Dollar und man als ungefähr ein Drittel zu unseren Preisen spart. Dazu ist B&H komplett in jüdischer Hand (so etwas gibt es bei uns ja nicht mehr) und an jüdischen Feiertagen geschlossen. Viele Angestellt haben entsprechend eine Kappe auf und tragen Zöpfe zu ihrem Bart. Der Kassierer verabschiedet mich mit einigen deutschen Worten, die völlig antiquiert sind. Er hatte anhand der Kreditkartendaten erkannt, woher ich eigentlich komme. Er war vielleicht um die dreißig, das Deutsch muss er von seiner Großmutter haben.
Mittlerweile gibt es hier sogar H&M. Hut ab, Europa erobert Amerika. Immerhin habe ich auch einen T-Mobile Laden gesehen und dauernd sausen DHL-Lieferwagen an einem vorbei.
Ich strolle zurück zu meinem Hotel, längs durch Chelsea und dann quer Richtung Gramery. Wichtig ist, dass man geschickt bei rot über die Ampel geht, ohne sich überfahren zu lassen. Sonst ist man kein „native New Yorker“. Vorher schwenke ich mir in einem Deli noch schnell zwei Flaschen Wasser (Volvic, keine Kompromisse), ein paar Chips (statt Chinaimbiss) und drei Flaschen Rolling Rock ein. Rolling Rock stammt aus Pennsylvania und von meinem Trip seinerzeit durch die Neuenglandstaaten hatte ich mir noch in Erinnerung behalten, dass genau diese Marke die einzig vernünftig schmeckende ist.
Und als ich in mich nörgelnd feststelle, dass im Zimmer kein Flaschenöffner verfügbar ist, überrascht mich mein altes versoffenes Hirn: „Konnte man Rolling Rock nicht aufdrehen?“, fragte es mich. Und siehe da, es klappt. Mein Hirn kann sich leider seit Jahren nur noch Themen Rund um den Alkohol merken.
Das schöne hingegen ist, dass Netstumbler in meinem Zimmer genau sieben WLAN Access Points gefunden hat, um für lau ins Internet zu kommen. Und tatsächlich, einer funktioniert sogar direkt ohne Nachhilfe. So kann ich den Kram dann hier heute Nacht noch hochladen. Wobei es mir wie Nacht nur vorkommt, denn hier ist es erst kurz vor neun. In Deutschland jedoch schon drei Uhr nachts und mein Körper scheint sich derzeit noch ein wenig an dieser Uhr zu orientieren. Ich werde also heute mal zeitig ins Bett gehen.
Das hat ja morgen bestimmt auch seine Vorteile.
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